Man sieht die Hunde. Mein Kopf macht währenddessen Hochleistungssport
- Silke

- 23. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Manche Menschen glauben ja wirklich, Tierbetreuung läuft ungefähr so:
Hund kommt. Hund spielt. Hund schläft. Ich trinke Kaffee. Ende.
Ich sage dann nichts. Ich lächle nur. Und denke: Ach du süßes Sommerkind.
Denn während draußen und drinnen Hunde entspannt rumliegen und aussehen, als hätten sie ihr Leben perfekt im Griff, läuft bei mir im Kopf ein Programm wie bei einem Flughafen zur Ferienzeit.
Da gibt es zum Beispiel das Futterroulette:
Hund A frisst Sorte X, aber nur eingeweicht.
Hund B frisst Sorte Y, aber bitte nicht neben Hund A.
Hund C frisst alles, was nicht für ihn gedacht ist.
Hund D guckt beleidigt, wenn jemand anderes schneller ist.
Und ich? Ich weiß das alles. Auswendig. Im Schlaf. Um 4:17 Uhr morgens.
Dann kommen die Termine. Bringen, Abholen, Verschieben, „Ich bin fünf Minuten später“, was übersetzt heißt: zwanzig.
Währenddessen klingelt das Handy, ein Hund steht hinter mir und atmet mir in den Nacken, und ein anderer sitzt da mit dem Blick: „Entschuldigung, ich hätte da eine emotionale Angelegenheit.“
Und DANN –als wäre das alles noch nicht genug –kommen zwischendurch auch noch Hunde zum Pflegen oder Haare schneiden.
Also:
✂️ Hund hoch,oder auch nicht
✂️ Fell runter
✂️ Haare überall
✂️ Hund findet das spannend
✂️ Tisch sauber
✂️ Boden sauber
Ich… naja… weniger
Und nein, die Betreuung pausiert in der Zeit nicht. Die läuft einfach weiter. Parallel. Mit Publikumsverkehr.
Zwischendurch wird natürlich geputzt. Näpfe. Böden. Decken. Flächen. Ecken, die nur existieren, um schmutzig zu werden.
Und wenn man dann abends denkt: „Jetzt ist alles sauber.“ Dann kommt ein Hund. Mit Matsch. Oder Fell. Oder beidem. Und guckt stolz.
Man sieht davon nichts. Man sieht entspannte Hunde. Ruhige Stimmung. Hofgefühl.
Und genau so soll es sein.
Denn wenn es leicht aussieht, habe ich im Hintergrund alles richtig gemacht.
Betreuung ist kein „Ich bin halt da“.Betreuung ist Organisation, Planung, Pflege, Putzen, Denken, Fühlen– mit Humor, sonst hält man es nicht aus.
Und morgen? Morgen mache ich wieder Kaffee. Der wird kalt. Wie immer.


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