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Nicht alles ist ein Zeichen. Aber manches eben doch

Autorenbild: Silke
Silke
vor 30 Minuten
3 Min. Lesezeit

Montags zwischen den Welten · Folge 1

Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde, als wir sehen können.

Punkt. Du darfst das gerne anders sehen. Wir müssen deswegen keine dreistündige Grundsatzdiskussion führen. Ich habe meine Erfahrungen. Mit Tieren, Energien, Zeichen, Ahnen und Dingen, die sich nicht einfach in eine hübsche Schublade mit der Aufschrift „wissenschaftlich geklärt“ stecken lassen. Meine Personalabteilung sitzt inzwischen übrigens größtenteils im Jenseits.

Und arbeitet dort offenbar munter weiter. Leo führt den Vorsitz, Bella hat Vetorecht und Milo ist für außerirdische Angelegenheiten zuständig. Wenn ich mir unsere drei aktuellen Hunde so anschaue, scheint bei den Bewerbungsverfahren da oben Vernunft jedenfalls keine Einstellungsvoraussetzung zu sein. Aber zurück zum Thema.

Das Universum ist keine Kundenhotline.

11:11 auf der Uhr?

Engelsbotschaft!

Eine Feder auf dem Weg?

Die Ahnen melden sich!

Der Kaffee fällt um?

Energetische Reinigung!

Dein Partner meldet sich nicht?

Karmische Zwillingsflammenverbindung mit temporärer Kommunikationsblockade!

Oder der Kerl hat einfach keine Lust.

Kommt vor.

Nicht jede unangenehme Wahrheit braucht eine spirituelle Sondergenehmigung.

Und nicht jeder Schmetterling wurde persönlich vom Universum beauftragt, deine Lebensplanung abzusegnen.

Vielleicht sucht er einfach eine Blume.

Soll vorkommen.

Spirituelle Eigenverantwortung. Schon mal gehört?

Soll ich meinen Job kündigen?

Ist er mein Seelenpartner?

Soll ich umziehen?

Was sagen die Karten?

Was sagt das Pendel?

Was sagt die Frau auf Instagram, die seit vorgestern zertifizierte galaktische Frequenzberaterin ist?

Eine Frage hätte ich noch:

Und was sagst DU eigentlich dazu?

Ach so. Dich hat noch keiner gefragt.

Runen, Karten, Träume und Zeichen können wertvolle Impulse geben. Ich arbeite selbst damit.

Aber sie sind keine Ersatzgeschäftsführung für dein Leben. Du darfst dir Rat holen, ohne deinen eigenen Verstand gleich mit abzugeben. Der war schließlich schon vorher da.

Manchmal ist ein Stock einfach ein Stock.

Manche Begegnungen gehen tief.

Manche Träume bleiben.

Manche Tiere schauen dich an, und du weißt, dass da gerade mehr geschieht als gewöhnlich.

Es gibt Momente, die keine Erklärung brauchen, um Bedeutung zu haben.

Und dann gibt es Muninn.

Der schleppt einen Stock an, der inzwischen Rüdiger heißt, eine grüne Mütze trägt und unseren Krisenstab leitet.

Ist das ein Zeichen? Keine Ahnung.

Aber unsere Personalstruktur ist seitdem deutlich fragwürdiger.

Nicht alles, was ungewöhnlich ist, muss sofort zur kosmischen Offenbarung erklärt werden.

Du darfst etwas wahrnehmen, stehen lassen und beobachten.

Und gelegentlich feststellen, dass du dich schlicht geirrt hast.

Das ist keine spirituelle Niederlage. Das nennt sich Leben.

Bodenhaftung schadet auch spirituellen Menschen nicht.

Du kannst mit deinen Ahnen verbunden sein und trotzdem deine Steuererklärung machen müssen.

Du kannst Runen lesen und deinen Autoschlüssel nicht finden.

Du kannst Energien wahrnehmen und trotzdem über einen Wassernapf stolpern.

Und du kannst tief mit der Natur verbunden sein, während du morgens um vier im Schlafanzug im Garten stehst und einem Hund erklärst, dass die Welt noch geschlossen hat.

Spiritualität macht niemanden automatisch weiser, besser oder unfehlbar.

Und sie nimmt dir nicht die Verantwortung ab, selbst zu denken, Entscheidungen zu treffen und gelegentlich ordentlich auf die Schnauze zu fallen.

Wenn du zwischen den Welten unterwegs bist, behalte wenigstens einen Fuß auf dem Boden.

Sonst wird's akrobatisch.

Und woran erkennst du nun ein Zeichen?

Das kann ich dir nicht pauschal beantworten.

Ich kann dir von meinen Erfahrungen erzählen. Von dem, was ich wahrnehme, erlebe und daraus mitnehme. Aber ich werde dir nicht erzählen, dass die dritte Taube von links deine kosmische Lebensaufgabe übermittelt. Vielleicht tut sie das. Vielleicht sucht sie Brot. Beides darf zunächst ungeklärt bleiben.

Nicht alles ist ein Zeichen. Aber manches eben doch.

Du musst nicht ständig nach Botschaften suchen.

Du darfst einfach aufmerksam sein. Wahrnehmen. Spüren. Hinterfragen.

Und vor allem deiner eigenen Wahrnehmung vertrauen, ohne deinen Kopf auszuschalten.

Der gehört nämlich ebenfalls zur spirituellen Grundausstattung. Wird nur erstaunlich selten beworben.

Montags zwischen den Welten – wo das Unsichtbare seinen Platz hat und der gesunde Menschenverstand nicht an der Garderobe abgegeben wird.

Nachtrag aus der Personalabteilung da oben

Leo: „Kann veröffentlicht werden.“

Bella: „Ich hätte es deutlicher formuliert.“

Milo: „Die dritte Taube von links sollte trotzdem überprüft werden.“

Loona: „Es ist vier Uhr. Warum schlafen hier noch alle?“

Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für Botschaften außerhalb der regulären Geschäftszeiten. Die Personalabteilung hält sich ohnehin nicht daran.

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